Heute ist meine Mutter auf ihre Hospiz-Fortbildung gegangen. Eine Woche lang Selbstversorger!
Habe immer noch eine Mittelohrentzündung (Musik hören heute früh war eine Qual!)
Danach Mittagessen gekocht, Nudeln mit selbstgemachter Brauner Soße. Schmeckte gut, aber die Spaghetti klebten zu 3 cm dicken Bündeln zusammen.
Laura hatte heute wieder keine Zeit. Ich habe ihr einen langen Brief geschrieben.
Liebe Laura,
Was? Liebe Laura? Ein Liebesbrief? Wir hatten uns doch beide darauf geeinigt, dass Liebesbriefe kitschig sind und höchstens dann benutzt werden sollten, wenn man eine bereits bestehende Liebe so festigen will.
Nein, es ist kein Liebesbrief. Ich will dich ja nicht schon wieder mit Komplimenten überschütten – wäre wohl etwas peinlich.
Es geht eher darum, dass ich überlegt habe, dass wir ja schon irgendwie miteinander reden wollen, aber einfach nicht dazu kommen. Und da habe ich mir so gedacht – warum nicht Brief schreiben.
Die Idee klingt bescheuert, mag sie vielleicht auch sein, aber man kann es ja probieren – ein Brief pro Woche reicht ja in dem man sich erzählen kann, welche Gedanken man hat und so etwas.
Nun, dann habe ich mich erstmal lange genug um das Thema gedrückt, was ich dir in dem Brief eigentlich schreiben will.
Ich sitze gerade im Wohnzimmer, es ist 22:03 und meine Mutter ist eine Woche lang weg auf einer Fortbildung und ich liege zu Hause mit einer Mittelohrentzündung. Erstklassige Aussichten also. (Vorsicht! Ironie!)
Neben mir liegt eine Gitarre – ja eine Gitarre. Ich glaube es auch nicht.
Ich habe mir überlegt meine Krankheitszeit mal auszunutzen und Gitarre zu lernen – abgesehen davon, dass ich jetzt G-Dur spielen kann halten sich meine musikalischen Ambitionen in Grenzen.
Es ist eigentlich tierisch langweilig, auch wenn ich nicht wirklich Lust auf Schule habe, vermisse ich doch irgendwie wirklich mit wem zu reden.
Ich glaube auch, obwohl wir so viel Streit hatten beginne ich Marleen zu vermissen. Warum? Ich weiß es nicht.
In letzter Zeit hat unsere Freundschaft so sehr gebröckelt – und als sie dann noch ihre Meinung über mein Liebesleben durchsetzen musste – da war es vorbei.
Es sind in letzter Zeit so viele Sachen passiert … und ich weiß nicht, zum einen tut es mir gut mal eine Zeit lang niemanden der damit zu tun hat zu sehen, aber zu anderen will ich reden.
Auch mit dir, aber das war ja eher die Seltenheit in letzter Zeit.
Deswegen schreibe ich auch diesen Brief, vielleicht schaffen wir es damit endlich mal Kontakt aufkommt, den wir beide, so hoffe ich doch, wirklich wollen.Ganz liebe Grüße
Johannes
Ich hoffe darauf reagiert sie.
Zwischen Alina und mir sind wieder die guten alten Zeiten eingekehrt!!!
Sie hat mir zum Abschied heute wieder auf mein ld (steht für “lieb dich”) geantwortet! Mit “ld”!!!!
Timo ist etwas depressiv gestimmt. Ich glaube das hatte mich etwas angesteckt.
Ich denke aber nicht, dass mich meine Mutter am Freitag als stinkende Suizideiche neben einem ausgehungertem Hund finden wird.