Heute musste ich etwas erleben, was zwar nichts neues ist, mich aber immer wieder schockiert.

Wie es scheint verlieren ältere Menschen in unserer heutigen Gesellschaft im Alltag immer mehr den Respekt und es wird ihnen z.B. nicht geholfen, wenn sie darum bitten. So war ich heute z.B. am Ostbahnhof in München auf dem Weg von der S- zur U-Bahn und an der Rolltreppe sah ich eine ältere Frau mit einem Fahrrad stehen, die mehrere Menschen darum bat, ihr zu helfen, das Fahrrad auf der Rolltreppe nach unten zu bringen. Es waren keine jungen Menschen, die an ihr vorbei sind, hauptsächlich ab 30, wohl eher sogar meistens über 40. Die haben die Frau überhaupt nicht beachtet und sind unbehelligt einfach selbst auf die Rolltreppe gegangen. Für mich versteht sich sowas von selbst, ich habe selbst eine Oma, die nicht mehr so mobil ist und oft Hilfe braucht.

Ich finde sowas irgendwie traurig. Wie kann man so egoistisch sein, dass man nur schnell schnell zu seiner U-Bahn muss (die ja sowieso im 5-Minuten-Takt fährt eigentlich) und anderen menschen aktiv die Hilfe ablehnt. Eigentlich sollte man solchen Menschen, wenn sie selbst mal in einem solchen Alter sind und Hilfe benötigen, nicht helfen, damit sie selbst spüren, wie sich sowas anfühlt.

Ich kann hier auch die Erfahrungen meiner Oma schreiben. Man muss dazu sagen, dass sie zwar noch relativ fit für ihr Alter ist, aber ohne Rollator doch nicht mehr wirklich auskommt, wenn sie unterwegs ist, sprich außerhalb ihrer Wohnung. Rolltreppen alleine hoch traut sie sich mit dem Rollator, aber nicht hinab, da hat sie nicht mehr die Kraft, den zu halten. Sie bemängelt dabei immer wieder, dass es hauptsächlich die junge Altersschicht ist, die ihr hilft. Und sind es doch mal etwas ältere Herrschaften, sind es meistens Ausländer, die scheinbar wesentlich hilfsbereiter sind, als wir Deutschen. Insbesondere findet sie türkisch-stämmige Personen äußerst hilfreich, diese muss sie meistens nicht mal um Hilfe bitten, meint sie. Wundert mich aber kein Stück, dass dem so ist, schließlich sind Senioren in der Türkei hoch angesehen – scheinbar ganz im Gegensatz wie bei uns. Manchmal mag man glauben, hier gelten solche Menschen soviel wie das “fünfte Rad am Wagen”.

Ich frage mich ernsthaft, was daran so schwer ist, einer Frau über die Straße zu helfen, den Einstieg in die U-Bahn oder den Bus zu erleichtern oder ihr etwas aufzuheben, wenn ihr etwas herunterfällt. Gilt natürlich genauso für alte Männer. Was meine Theorie der hilfsbereiten Generationen noch unterstützt sind meine Freundeskreise. Ich wüsste nicht einen, der sich zu toll dafür fühlt, dort schnell zu helfen. Für uns ist sowas eigentlich doch eine Selbstverständlichkeit.

Es wäre mal interessant, zu wissen, was in den Köpfen von solchen egoistischen Menschen vorgeht, Aber ob man das jemals erfährt? So kann man nur auf Besserung hoffen…

Greetz,
Wozzap